2003-2008

Das ehemalige Kasernengelände und der historische Bahnhof wurden 2006 der Stiftung Ungewohnt, einer nicht rechtsfähigen Unterstiftung der Stiftung Freiräume übertragen, um sie als offener Aktionsplattform möglichst vielen Menschen verfügbar zu machen.

(1) Zweck der Stiftung ist:

Förderung und Unterstützung der Jugend, sowie politisch, rassistisch und aufgrund ihres zugewiesenen Geschlechts und Mündigkeitsgrades diskriminierter und verfolgter Personen
Förderung der allgemeinen Bildung
Förderung des Naturschutzes, sowie der Kleingärtnerei
Förderung von Kunst und Kultu r

(2) Der Stiftungszweck wird verwirklicht insbesondere durch verschiedene Betätigungen:

die Unterstützung der Jugend, sowie politisch, rassistisch und auf Grund ihres zugewiesenen Geschlechts und Mündigkeitsgrades diskriminierter und verfolgter Personen dadurch, dass die “Stiftung Ungewohnt” Gebäude und Gelände für das soziale Experiment zur Verfügung stellt, dass unterschiedliche Menschen insbesondere die genannten Gruppen- versuchen gleichberechtigt miteinander zu lernen und zu arbeiten.
die allgemeine Bildung durch frei zugäng1iche nutzbare Selbsthilfewerkstätten verschiedener Fachgebiete.
Schaffung von ökologischem Bewusstsein und Schaffung von Raum für Gartenarbeit durch das Anlegen eines ökologischen Lerngartens sowie durch die Renaturierung von Teilen der Außenanlage. Außerdem werden die damit verbundenen ökologischen Zusammenhänge erforscht.
die Förderung der Kunst mit Hilfe der Organisation von Konzerten und Ausstellungen
das Erhalten und Zugänglichmachen von Kulturwerten durch das Anlegen eines Archivs zur Geschichte sozialer Bewegungen und die Nutzbarkeit
einer Bibliothek
Für diese Zwecke stellt die Stiftung ihre Gebäude und ihr Gelände zur Verfügung.

(3) Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts “Steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung. Das Bildungsdorf 78a ist eine offene Plattform, um den politischen Widerstand und die Vernetzung herrschaftsfreier Projekte zu fördern.

2009 – 2011

Vor der Übertragung an die Stiftung gab es hier funktionelles Wohnen. Die bis 2009 hier tätige Gruppe hatte sich bis auf wenige Personen verstreut. Nach dem Zerfall der TS-Gruppe kam es zur Besiedelung durch eine 12-köpfige rumänische Familie, weil das Gelände im Winter 2009/2010 fast leer stand. Auf Grund der großen Fluktuationen der vergangenen Jahre und auch wegen der großen Bekanntheit über die Region Altmark hinaus fand sich im Frühjahr 2010 eine Gruppe, um das Gelände neu zu beleben.

Seit 2010 finden Aufräum- und Wiederinstandsetzungsarbeiten statt, um das Gelände und insbesondere das ehmalige Kasernengebäude entsprechend den oben genannten Zielen besser nutzbar zu machen. Die neue Gruppe beschrieb den Ort zum Skillsharing-Camp im März 2010 so:

Die Traumschule soll ein offener politischer Lernort sein, wo – anders als an den meisten “normalen” Orten – Unterdrückungsstrukturen hinterfragt werden und ohne kapitalistische Verwertungslogik agiert werden soll. Dabei sollen Menschen lernen, ihre Beduerfnisse ausdruecken und diese in einem offenen Prozess mit ihrer Umwelt abzugleichen. In gewaltfreier Athmosphaere soll hier moeglichst vielen Menschen ermoeglicht werden, an politischen Projekten zu arbeiten.

Auf Grund mehrfacher – auch negativer – Reaktionen und Wertungen, die viele Menschen mit diesem Ort verbinden, entstand die Debatte, ob es Sinn macht, einen neuen Namen zu suchen. Da die „TS“ ein Ort sein soll, an dem viele (Gedanken)Welten Platz haben, gab es die Einigung, das Gelände ab nun „Offenes Bildungsdorf 78a“ zu taufen und zukünftig dessen Teile entsprechend ihrer Nutzung zu benennen (s. Konzept vom Mai 2010).

März: Skillsharing-Camp mit anschließendem Open Space
August: Direct Action-Camp

2011 – 2013

Dezember 2012: PV-Workshop
Juni 2013: Earthshipbau

Zur Kritik seitens der Stiftung war “es gab hier keinen Offenen Raum”:

Hier liefen und laufen in den letzten 3 jahren projekte, auch wenn aufgrund von mangelnder kommunikation unserer dies seits nicht gesehen wurde/werden konnte.
es war OR und hier hat unter anderem antipsychatrie stattgefundenen, es wurden menschen “aufgenommen” die an der ein oder anderen stelle in der gesellschaft “da draussen” weggesperrt wären
wir waren überfordert mit dieser situation und sahen uns gezwungen “privaträume” einzurichten um einen savespace zu haben von dem aus wir agieren konnen.
das es sich so entwickelt hat mit den “privaträumen” war notwendig aufgrund von situationen die man anders hätte lösen müssen.
wir haben nicht die möglichkeit gesehen das mit den menschen vor ort die möglichkeit bestanden hätte, teilweise weil sie dazu nicht in der lage gewesen wären, teilweise weil es nciht gewollt war.
dafür braucht es einen gemeinsammen nenner, eine verbindliche vereinbarung und die beretschaft die offenheit des ortes zu gewährleisten.

es gab das verständnis das rauswurf bedeutet, das mensch menschen nicht wegschicken darf und nicht das man sie wegschicken kann weilo sie ein gewisses verhalten an den tag legen, was dazu führte das menschen die hier zb nur privat gewohnt haben nicht gebeten wurden zu gehen.

Wir wollen und werden weiterhin hier bleiben und diesen freiraum nciht aufgeben
und auch nicht zulassen das hier auch nur ein mensch in einem hierachischen, anscheinend willkürlichem verfahren mit fadenscheinigen begründungen und lügengeschichten und gerüchten rausgeschmissen werden wird.
und das unter einer gewaltandrohung und bedingungen die allem durch den bürgerlich rechtsstaat erkämpften errungenschaften spottet

wir wollen weiter hier projekte machen und den freiraum weiter erhalten, allerdings mit anderen regeln und bedingungen.
privaträumen werden nicht mehr betrieben und werden zu einem funktionellem Wohnen umstrukturiert.

wir haben hier in der zeit viel dazu gelernt um verantwortung zu übernehmen

2015

“Die Stiftung garantiert die Offenheit der Räume, solange es aus Sicht der Stiftung mit ihren Möglichkeiten machbar erscheint. Politische und öffentliche Räume sind aber nicht dauerhaft gegen die Beteiligten an einem Projekt aufrechtzuerhalten. Im Fall dauerhaft oder langwierig unlösbarer Konflikte ist es sinnvoller, den Wert eines nicht z.B. von den konkreten NutzerInnen mehr öffentlich gehaltenen Projektes auszulösen und an anderen Orten zur Schaffung neuer Räume einsetzen zu können.”

Als nach einer Hausdruchsuchung im April 2014 Briefe von Ämtern bei der TS und der Stiftung eingingen, bekam die Stiftungsverwaltung Angst und sah sich in der Region nach einer Gruppe um, welche die TS übernimmt und verwaltet. Aufgrund der vorherigen Auseinandersetzungen (2010 bis 2011) und dem langen Schweigen sahen sie davon, sich mit den Menschen zusammen zu setzen, die bereits vor Ort lebten.

In Folge dessen wurde im November 2014 mit dem für diesen Zweck neu gegründeten Kulturverein Riebau ein Pachtvertrag abgeschlossen, welcher der neuen Gruppe Hausrecht garantierte. Die Folge war der Versuch einer herrschaftsförmigen Übernahme im Januar 2015, welche durch die Solidarität der existierenden Gemeinschaft abgewendet werden konnte.

Seit Februar 2015 gibt es Einigungsversuche seitens der existierenden Gruppe mit dem KVR, um diesen mit dem Offenen Raum vertraut zu machen und eine bedürfnisorientierte, gewaltfreie Kommunikation zu erreichen.

Weitere Selbstreflektion während des Arbeitstreffens zu Herrschaftsfreiheit im März 2015.