Man kann sich das vorstellen wie im tiefsten Russland: Da wurden – ganz offiziell und legal – jahrzehntelang einfach gefährlichste Stoffe mit LKW herangekarrt und über Rampen in die Grube gekippt. Es hieß dann immer: „Da ist eine schützende Tonschicht. Da passiert nichts. Keine Sorge, keine Sorge.“

Fakten und Zitate zur Giftschlammgrube Brüchau (PDF)

Termine:

18.04.2017 ARD-Energieexperte Jürgen Döschner (Autor der WDR-Sendung zur Giftschlammgrube Brüchau vom 20.04.2016, Vorwürfe gegen Energiekonzern GdF Suez: Undichte Bohrschlammgrube betrieben? und des Audioberichtes „Giftschlammgrube von Brüchau undicht“ ) spricht zum Thema Tarnen – Täuschen – Verschleppen Giftschlammgrube Brüchau, 18.30 Uhr in der Salzkirche, Tangermünde, Zollenstieg 1
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Presseberichte

Audio: „Giftschlammgrube von Brüchau undicht“ – Umweltjurist Müggenborg hält das „konzentrierte Nichtstun über einen Zeitraum von 10 Jahren“ „strafrechtlich für ausgesprochen kritisch“.

13. April 2017 Krisentreffen im Rathaus Kalbe mit BI

11. April 2017


Quelle: MZ 11.04.2017

20. September 2016

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Dass bei der Erdgasförderung radioaktive Rückstände entstünden, „weiß jeder, der damit zu tun hat.“ – Kurt Schnieber, Präsident des Landesamts für Geologie und Bergwesen

Die Bohrschlammdeponie Brüchau ist eine der größten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und wurde von 1972 bis 2012 betrieben. Nach Recherchen des MDR-Magazins „exakt“ ist die Deponie undicht. Ein hochgiftiger Cocktail sickert ins Grundwasser und hat es bereits radioaktiv belastet. Zuletzt hatte der WDR über den Fall berichtet. Demnach hat der Betreiber der Deponie, der französische Energiekonzern „Gaz de France Suez“, seit Jahren davon gewusst und die Deponie trotzdem weiterbetrieben. Landrat Michael Ziche fordert die Renaturierung der Grube. Das soll rund 20 Millionen Euro kosten, Gaz de France Suez will zehn Prozent beisteuern. MDR, 20. April 2016

Wer ist verantwortlich?

  • Jürgen Stadelmann, Landesamt für Altlastenfeststellung (LAF), davor Gaz de France / SUEZ (Engie)
  • Kurt Schnieber, Präsident des Landesamtes für Geologie und Bergwesen (LAGB)
  • Thomas Wünsch, Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums

Eigentlich, das betonte Herbert Halbe, Leiter der Unteren Wasserbehörde im Altmarkkreis Salzwedel, am 22 September 2016 im mehr als vollen Dorfgemeinschaftshaus von Kakerbeck, hätte es schon nach der Jahrtausendwende keine Betriebserlaubnis mehr für die Bohrschlammdeponie Brüchau, auch Silbersee genannt, geben dürfen. Der Grund: die damals von der Betreiberfirma GDF Suez (heute Engie) beantragte wasserrechtliche Erlaubnis wurde von den zuständigen Behörden abgelehnt. Dass dennoch weiter in die alte Tongrube eingelagert werden konnte, hat die Betreiberfirma dem zuständigen Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAG) zu verdanken, das die Rechtslage damals anders auslegte, wie sein Präsident Kurt Schnieber am Donnerstagabend im Zuge einer Bürgerversammlung in Kakerbeck deutlich machte. Mit Duldung des Landesbergamtes lagert Engie weitere 10 Jahre ein.

„Sie haben hier vor der Haustür in Brüchau eine echte Altlast, die Schadstoffe, die darin lagern, sind erheblich…“, Kurt Schnieber, Präsident des Landesamtes für Geologie und Bergwesen (das LAGB prüft den Abschlussbetriebsplan der vom Betreiber des Silbersees im Zuge der Schließung erstellt wird, und erteilt gegebenenfalls die Genehmigung)
„Die im Endbericht zur ‘Erarbeitung einer Vorzugsvariante zur Schließung der Deponie und Beendigung der Bergaufsicht’ (GICON 5. Februar 2015) angegebene Tabelle berücksichtigt lediglich Schadstoffinventar, das bis 1991 eingelagert wurde. (…)“ Im Gutachten von 1993 des Labors für Geoanalytik heißt es außerdem: „Getrennt von den bis jetzt betrachteten Befunden der Grundwasseranalytik, sind die Ergebnisse aus den beiden Grundwassermessstellen Büa T2, 42m und Büa T5, 44 m zu sehen. Aus den Analyseergebnissen dieser beiden Brunnen ist eine klare Beeinflussung durch aus der Grube austretende Stoffe zu erkennen.“ Auffallen würden auch einige Messwerte an Kontrollbrunnen, die je nach Lage im Zu- oder Abstrom unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Zu klären sei, so Ebeling, ob die Brüchauer Anlage bereits unter die Strahlenschutzverordnung falle. Als Beispiel führte er das radioaktive Element Radium an: So würde der Gehalt des 226er Radiums an der Grundwassermessstelle T1 (deponienaher Grundwasserabstrom) steigen und habe 2014 seinen höchsten Wert erreicht. (Bericht zur Informationsveranstaltung am 9. März 2016 in Kalbe)

Kurt Schnieber am 16. Februar 2017 im Wirtschaftsausschuss des Landtags: „Dass es bei diesen Abfällen aus der Erdgasförderung radioaktive Anhaftungen gibt, das ist klar. Das weiß jeder, der damit zu tun hat. Deshalb gibt es ja auch eine Reinigungsanlage in Steinitz.Zum Inhalt der Bohrschlammgrube: Es ist so, dass wir grob wissen, was hineingegangen ist. Das geht natürlich auch weit zurück in DDR-Zeiten. Sie ist von Anfang an als Anlage für die Beseitigung von bergbaulichen Abfällen – – So hat es ja begonnen. Sie ist erst später geöffnet worden für andere Sonderabfälle. Das hat bis zur Wende gedauert und danach ist es wieder abgestellt worden. Danach gingen weiter bergbauliche Abfälle hinein. Dabei ist es so, dass wir natürlich Mengengerüste haben, aber wir haben keine chemische Untersuchung für jede einzelne Lieferung.
[…]
Es ist in der Tat so, dass wir in der Deponie über die Zeit ungefähr 1 500 Messungen durchgeführt haben. Diese 1 500 Messungen haben ergeben – also sie sind immer quartalsweise gemacht worden –, dass in 49 Fällen der Grenzwert, der hier von Herrn Ebeling vorgetragen wurde, von 0,2 μg/l überschritten wurde und davon in neun Fällen über 1 μg/l“, also über dem, was wir als Grenzwert ansehen. Dazu hat Herr Ebeling aber eine andere Meinung. Diese neun Fälle haben sich alle im Jahr 1993 abgespielt.
Ich habe Ihnen, falls es für den Ausschuss von Interesse ist, die Überwachungsergebnisse aus den Jahren 2014 und 2015 mitgebracht. (Eine Tabelle mit Verschmutzungsparametern für die Tiefbrunnen Brüchau vom LAGB wurde im Nachgang zur Sitzung als Vorlage 4 verteilt.)

Die Öffentlichkeit wird beschwichtigt, oder ohne ausreichenden Druck nicht informiert. Der Altmarkkreis Salzwedel dringt intensiv auf Sanierung – bisher erfolglos. Die Forderung des Landkreises nach einem Zweitgutachten und einem genauen Zeitplan für die Arbeiten wird ignoriert.

2012 wurde die Einlagerung giftiger Abfälle aus der Erdgasförderung eingestellt. Die genaue Bilanz ist unbekannt, das Unternehmen schätzt: An die 15.000 Tonnen Schadstoffe, Sondermüll aus Bergbau und anderen Industrien, darunter 1,3 Megatonnen Kohlenwasserstoffe, 250 Tonnen elementares Quecksilber und etliche Tonnen Arsen-, Chrom- und Cadmium-Verbindungen liegen im »Silbersee« in der Altmark. Jetzt will das Betreiberunternehmen GdF Suez das Ende der Bergaufsicht für die vielseitig genutzte Bohrschlammdeponie herbeiführen. Eine Sanierung hält die Landesregierung anscheinend für nicht machbar – also: Deckel drauf?

Im „Endbericht zur Erarbeitung einer Vorzugsvariante zur Schließung der Deponie und Beendigung der Bergaufsicht“ (2015) wird festgestellt, dass die Komplettbeseitigung des Abfallkörpers die „den höchsten Anforderungen entsprechende Maßnahme ist“. In einer für Behördenvertreter zusammengestellten Präsentation des Endberichtes wird diese Variante aus Kostengründen (< 20 Mill. Euro) abgelehnt zugunsten einer Abdeckung durch Kunststofffolie (ca. 4 Mill. Euro), wie bei der Ölschlammgrube ERIKA. Der im Endbericht dargestellte erhebliche Nachsorge- und Reparaturaufwand, der bei der Kunststoffabdeckung anfällt, wurde den Behördenvertretern verschwiegen. Seit die BI auf die Unterschiede zwischen der Präsentation und den tatsächlichen Inhalten des Endberichts aufmerksam gemacht hat, ist letzterer von der Bildfläche verschwunden.

2016 schaltete sich die Bürgerinitiative „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ ein. MdL Dorothea Frederking (Grüne) richtete zwei Kleine Anfragen an die Landesregierung. In der Beantwortung machte die Landesregierung falsche Angaben: sie präsentierte als aktuelles Inventar eine Tabelle von Inhaltsstoffen aus dem Jahr 1991. Dass ein Grundwasserschaden existiert, wird nicht bestritten. Dieser sei möglicherweise aber nicht auf Undichtigkeit des Geschiebemergels, der sich unter den – zum Teil auch radioaktiven – Giftablagerungen befindet, zurückzuführen, sondern habe eine andere Ursache. Welche, ist unbekannt.

In mehreren Versammlungen mit jeweils über 100 Teilnehmern verlangten die betroffenen Bürger aus Sorge wegen

  • Ausweitung des Grundwasserschadens
  • Erkrankungen
  • Wertverlust ihrer Grundstücke
  • Imageschaden der Gemeinde u.a.

die zügige Beseitigung des gefährlichen Schandflecks. Der Stadtrat von Kalbe, MdL Dorothea Frederking, Bürgermeister Ruth und der zuständige Ortsbürgermeister unterstrichen die Forderung in einem gemeinsamen Schreiben an das LAGB.

Anstatt zu sanieren, sollen weitere Tiefbrunnen gebaut werden, um in Ruhe zu prüfen und eine weitere Grundwasser-Kontamination zu riskieren. Uwe Harms fordert eine komplette Beräumung des Zwischenlagers. „Dieses Lager ist in der Regel spätestens mit Beendigung des Bergbaus zu räumen.“ Danach gelte das Umweltrecht und nur wenn diesem auch bei Fremdeinlagerungen entsprochen wurde, könne eine Freistellung von 90% der Kosten erfolgen.

Es wird weiterhin bezweifelt, dass die Grube undicht ist. Mit Untersuchungen soll wieder ganz von vorne angefangen werden. Das Institut Asbrand hat hierfür ein Untersuchungskonzept erstellt. Dessen Umsetzung erfordert laut Staatssekr.Wünsch mindestens 4 Jahre!

„Engie“ (Gaz de France), die nach eigenen Angaben seit über 50 Jahren die Erdgasförderung in der Altmark betreibt, hat ihre giftigen Abfälle jahrzehntelang billigst in Brüchau entsorgt. Nun sind ihnen 10% von 20 Mill. Euro (90% zahlt ohnehin die öffentliche Hand!) für die Sanierung zu viel. Für die Landesregierung wiegt das schwerer als die Lebensinteressen der Menschen in Brüchau und Umgebung.

Nach einem weiteren Schreiben mit dem Titel „Tarnen – Täuschen – Verschleppen“ an die Landtagsmitglieder wurde der Brief mit Fragen der BI an den Ministerpräsidenten Haseloff vom November 2016 im Januar 2017 beantwortet:

Die Antwort des Ministeriums durch Hernn Ranneberg vom 20. Januar 2017 ist unbefriedigend: dass die Giftschlammgrube undicht sein könnte, schließt Ranneberg mehr oder weniger aus, nimmt damit das Ergebnis weiterer geplanter Untersuchungen vorweg. Die Skepsis bezüglich dieser Untersuchungen steigt damit. Antwort der BI vom 29. Januar 2017 (PDF)

Am Donnerstag, den 2. Februar stellte Dorothea Frederking (Grüne MdL) eine mündliche Frage zur Giftschlammgrube Brüchau im Landtag (Video):

Bei der Bohrschlammdeponie Brüchau handelt es sich um eine Anlage zur Ablagerung bergbaulicher Abfälle im Sinne von § 22a der Allgemeinen Bundesbergverordnung.

In diese Anlage wurden Bohrschlämme aus der Erdgasförderung Altmark und andere Sonderabfälle verbracht. Seit dem Jahr 2012 erfolgt keine Einlagerung mehr. Laut Landesregierung gibt es Kenntnisdefizite zum Schadstoffinventar und zur Dichtigkeit der Anlage (siehe unter anderem Medienberichterstattung nach der Informationsveranstaltung in Kakerbeck am 22. September 2016). Bisher gibt es noch keine öffentliche Information über den Inhalt und den Umfang der einzelnen Verfahrensschritte einschließlich Verantwortlichkeit und Zeitplan zur Erarbeitung des Stilllegungskonzeptes und der anschließenden Entscheidung über die endgültige Stilllegungsvariante.

Ich frage die Landesregierung:

Welche Verfahrensschritte sind im oben genannten Sinne vorgesehen, um eine Entscheidung über die endgültige Stilllegungsvariante der Bohrschlammdeponie Brüchau zu treffen?

Dass die Giftschlammgrube als „Anlage zur Ablagerung bergbaulicher Abfälle im Sinne von § 22a der Allgemeinen Bundesbergverordnung“ gewürdigt wird, ist nicht ganz selbstverständlich (weil eben auch giftige Abfälle anderer Provenienz eingelagert wurden) und basiert auf einem bei der Kanzlei Gaßner und Partner 2012 eingeholten Rechtsgutachten.

Die Antwort von Wirtschaftsminister Willingmann (Anmerkungen der BI in kursiv):

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Bei der Deponie Brüchau handelt es sich um eine ehemalige Entsorgungseinrichtung für bergbauliche Abfälle aus der Erdgasgewinnung, die vom bergrechtlich verantwortlichen Unternehmen Engie E&P Deutschland GmbH bis 2012 genutzt wurde. Frau Abg. Frederking hat dies benannt. Ich antworte für die Landesregierung.

Das Unternehmen ist nunmehr gehalten, für die Deponie Brüchau einen Abschlussbetriebsplan aufzustellen. Dieser Betriebsplan hat den Nachweis zu enthalten, dass unter anderem eine Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit und der Umwelt, insbesondere der Gewässer, dauerhaft ausgeschlossen ist.

Um den geltenden Anforderungen gerecht zu werden, ist durch das Unternehmen unter anderem das Sickerwasserpotenzial der abgelagerten Abfälle und die Wasserbilanz für die Stilllegungs- wie auch die Nachsorgephase zu ermitteln und zu bewerten. 

Dass das Thema „Nachsorge“ angesprochen wird, dürfte eine Auswirkung unserer Information des  Ministerpräsidenten und aller Landtagsabgeordneten sein, da dieses Thema, das bei der sog. „Vorzugsvariante“ von großer Bedeutung ist, bisher unter dem Tisch gehalten wurde.
 
Im Abschlussbetriebsplan ist darzustellen, welche Nachsorge nach dem Abschluss der Stilllegungsmaßnahmen erforderlich ist, um Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit und der Umwelt zu vermeiden.

Eine Zulassung dieses Betriebsplans und die Umsetzung der Maßnahmen zur endgültigen Sicherung der Deponie können erst dann erfolgen, wenn die bergrechtlichen Vorgaben des Bundesberggesetzes zum Ausschluss von Gefahren für Mensch und Umwelt erfüllt sind.

Die Verwendung des Begriffs „endgültige Sicherung“ (vgl. im Brief von Herrn Ranneberg „endgültige Verwahrung“) macht deutlich, dass man sich längst – entgegen früheren Zusicherungen – von der Möglichkeit der Auskofferung und Verbringung auf eine geeignete Deponie verabschiedet hat, und dass die vorgesehenen Untersuchungen nur ein Ergebnis haben werden: dass eine Abdeckvariante ausreichend ist.

Im Zuge der Erarbeitung des Abschlussbetriebsplans zur endgültigen Sicherung der Deponie Brüchau wurde im Auftrag des verantwortlichen Bergbauunternehmens durch ein Ingenieurbüro eine Vorzugsvariante entwickelt, die im Wesentlichen die vollständige Abdeckung und Abdichtung der Deponie mit zwei Dichtungselementen nach dem modernsten Stand der Technik vorsieht. Die Endfassung dieses Vorschlags liegt dem LAGB und der im späteren Genehmigungsverfahren zu beteiligenden Behörden seit März 2016 vor.

Aus dem Bericht ergaben sich Kenntnisdefizite in Bezug auf den Abfallkörper und seine Eigenschaften. Diese Kenntnisdefizite sind vor weiteren Planungsschritten weitergehend zu betrachten und stehen derzeit behördlichen Entscheidungen entgegen.

Zum Abbau der Kenntnisdefizite wurden im Zeitraum Mai/Juni 2016 durch ein von der Landesanstalt für Altlastenfreistellung beauftragtes Fachbüro die vorhandenen Unterlagen und Daten einer kritischen Prüfung unterzogen. Im Ergebnis hat der Gutachter ein Erkundungskonzept für weiterführende Untersuchungen zur Deponie Brüchau mit mehreren Bausteinen vorgelegt. Dieses Konzept dient der Überprüfung und der Vervollständigung der Datenlage, auf deren Basis verschiedene Varianten zur Schließung der Deponie (ja, es gibt eine ganze Reihe von Abdeckvarianten, die sich in Details unterscheiden) abschließend zu bewerten sind. Es wurde am 28. Juli 2016 mit den beteiligten Behörden abgestimmt. Nunmehr sind entsprechende Betriebsplanunterlagen durch Engie zu fertigen und dem LAGB zur Zulassung vorzulegen.

Das LAGB hat einen Zeitplan für die Aufstellung der Planunterlagen für die Erkundungs- und Untersuchungsarbeiten vorgelegt, (Diesen verrät der Minister nicht. – Nun, wir werden uns erkundigen, ob der Plan geheim ist.) nach dem gegenwärtig die Leistungen zur Ausführungsplanung vergeben werden und die Vorlage der Betriebspläne für die Durchführung der Maßnahmen für April/Mai 2017, also in gut zwei bis drei Monaten, vorgesehen ist. Bestandteil des Betriebsplans wird ein Zeitplan mit den Umsetzungsschritten für die notwendigen Maßnahmen sein.

Sobald der Betriebsplan vorliegt, wird das LAGB die beteiligten Behörden in das Zulassungsverfahren einbeziehen.

Auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse wird die Planung der Stilllegungsvariante durch Engie erfolgen und anschließend im Abschlussbetriebsplan beim LAGB zur Zulassung eingereicht werden.

Abschließend darf ich darauf hinweisen, dass sich der Landtagsausschuss für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung darauf verständigt hat, den Selbstbefassungsantrag – ich zitiere – „Vollständige und nachhaltige Sanierung der Bohrschlammdeponie Brüchau“ in seiner Sitzung am 16. Februar 2017 zu behandeln. Wie Sie wissen, sind die Landesregierung und das Unternehmen eingeladen worden, um über den Arbeitsstand zur Aufstellung des Abschlussbetriebsplanes zu berichten.

So weit die Antwort der Landesregierung.

Einerseits wird gesagt, dass es sich um bergbauliche Abfälle handelt, andererseits gibt es diese „Kenntnisdefizite“ bezüglich Zusammensetzung des Abfallkörpers – und diese Defizite sind offenbar erheblich, wodurch in der Öffentlichkeit kein Vertrauen zu gewinnen ist!
Seit 1991 wird untersucht, was unten raus kommt – wäre es denn nicht dass Allererste, festzustellen, was oben drin ist?
Wir haben es bisher hauptsächlich so eingeschätzt, dass das Abdeckverfahren gewählt wird, um Kosten zu sparen. – Je länger man sich mit dem Thema beschäftigt, umso mehr entstehen Zweifel, ob dies wirklich das Motiv ist, oder ob da nicht noch ganz andere Dimensionen im Spiel sind – z.B. auch strafrechtlicher Art.

Einen Zeitplan zu erstellen, hatten BI und Landkreis gefordert – natürlich nicht gedacht fürs Geheimfach, sondern für die öffentliche und monatliche Berichterstattung über den Gang der Arbeiten. Es ist zu hoffen, dass die Ankündigung, beteiligte Behörden in das Verfahren einzubeziehen, nicht auch eine bloße Behauptung bleibt, wie die von Herrn Ranneberg erwähnte Berücksichtigung der Vorschläge und Hinweise des Landkreises.

Die „Landesbergbausparte“ (Engie-Bergamt-Wirtschaftsministerium) sieht ihre Aufgabe im Zudecken. Wir sehen unsere Aufgabe im Aufdecken und werden alles tun, was uns hierzu möglich ist und einfällt.

Christfried Lenz
BI Saubere Umwelt und Energie Altmark

Presseberichte

15. April 2017

13. April 2017 Krisentreffen im Rathaus Kalbe mit BI

11. April 2017 MZ Altlasten in Sachsen-Anhalt: Gift im Silbersee

10. April 2017 MZ Giftschlamm im Boden, Quecksilber im Wasser: Seit Jahrzehnten leben die Bewohner von Brüchau (Altmark) mit einer toxischen Grube. Dass sie undicht ist, gilt als sicher.

„Durch die bisher durchgeführten Untersuchungen ist nachgewiesen, dass die natürliche Abdichtung der Deponie nicht den Austrag von Schadstoffen verhindert.“ – Studie des Umweltamts, 2000

Thomas Wünsch (SPD), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, spricht von einem „Kenntnisdefizit“. Im Landtag nannte er zwei Optionen. Nummer eins: die Deponie wird abgedeckt, so dass sie nicht mehr von Regenwasser durchgespült wird. Nummer zwei: Der See wird ausgehoben, der Inhalt entsorgt. Die eine Option kostet vier, die andere 20 Millionen Euro.

Der Chef der Landesanstalt für Altlastenfreistellung arbeitete früher für Gaz de France – dem damaligen Deponie-Betreiber. Dass die Landesregierung nun behauptet, sie wisse nicht, was in der Grube ist, sei nicht gerade glaubwürdig, so Lenz. Frederking sagt, „ich hatte nicht immer den Eindruck, dass die Regierung mit dem nötigen Ernst an diese Sache rangegangen ist.“

Und in Brüchau kursiert derweil eine Liste. Darin notieren Bewohner Krebserkrankungen im Ort. Laut Chronik bekommt rund jeder Sechste eine Diagnose. „Die Kausalität zur Wasserqualität ist natürlich nicht beweisbar“, sagt Lenz. Der Wert sei aber ohne Zweifel ein Ausreißer.

27. Februar 2017

17. Februar 2017

Bürgermeister Ruth der Stadt Kalbe hat zwar nicht an der Aktion in Magdeburg teilgenommen, jedoch per Schreiben an die Mitglieder des Wirtschaftsausschuss eine „deutliche Beschleunigung des Verfahrens“ verlangt. Er bemängelt den „völlig unbefriedigenden Kenntnisstand“ über die Gefahren für das Grundwasser, die von den Giftablagerungen ausgehen und fordert abschließend, „die Bürgerschaft der Stadt Kalbe (Milde) zu entlasten, indem tatsächlich auf kürzestem und transparentestem Wege die Deponie Brüchau als Gefahrenquelle und egativfaktor ein Ende findet.“

16. Februar 2017 Demo gegen oberirdisches Endlager Brüchau

31. Januar 2017 Antwort des Ministeriums auf Anfrage an den Ministerpräsidenten Haseloff vom November 2016.

24. September 2016 Bürger fordern Nägel mit Köpfen

Bernd Ebeling, Wasserbauingenieur und Mitstreiter der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt & Energie Altmark“, sprach in Bezug auf die fehlende wasserrechtliche Genehmigung und die nachgewiesene Belastung durch Radium sogar von einem „Straftatbestand“, „zumal man schon zu DDR-Zeiten wusste, dass die Grube undicht ist“. Ebeling wollte auch von Jan Weinreich, dem Generalbevollmächtigten der Betreiberfirma der Deponie wissen, ob und welche radioaktiven Stoffe von außerhalb in Brüchau eingelagert worden sind, erhielt darauf aber die Antwort: „Ich weiß es nicht“. Zudem hinterfragte Ebeling, der sich in der Vergangenheit intensiv mit dem Thema Bohrschlammdeponie befasst hat, auch einige der von Martin Asbrand vorgestellten Fakten, die dieser im Zuge eines Erkundungskonzeptes zusammengetragen hat. Der Berliner Hydrogeologe hat dafür im Auftrag der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) sämtliche vorhandenen Daten ausgewertet und dabei „ein relativ geringes Gefährdungspotenzial außerhalb des Zaunes der Deponie“ ausgemacht. Der Boden wäre „schon innerhalb des Deponiegeländes als Grünland nutzbar“. Auch im oberen Grundwasserbereich seien keine Belastungen nachweisbar.

Dennoch hält Asbrand weiterführende Untersuchungen durch ein Ingenieurbüro, das vom Deponiebetreiber Engie und in Abstimmung mit der LAF zu beauftragen wäre, für unerlässlich. Denn es gebe noch eine Reihe von Unbekannten. Das beträfe vor allem den genauen Inhalt der Deponie, auch wenn diese nach außen hin dicht scheine. Zudem würden Infos zu den geotechnischen und chemischen Eigenschaften der Deponie fehlen. Und das Grundwasser inklusive seiner Fließeigenschaften bedürfe noch einmal einer ganz eigenen Bewertung.

Christfried Lenz von der BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ äußerte indes den „Verdacht, dass es hier nur um Geld und nicht um die Wahrheit geht“. Laufend würden neue Konzepte erarbeitet, „aber es geschieht nichts“. Laut Lenz sei das „eine geniale Idee der Kostensenkung“. Denn solange an Konzepten gewerkelt werde, müssten Engie und Land nichts für die deutlich teurere Schließung der Deponie ausgeben.

Zu viel Zeit sei schon verstrichen, von der niemand sagen könne, ob sie wirklich keine Gefahren für die Bevölkerung mit sich gebracht habe. Schließlich gibt es den immer wieder geäußerten Verdacht, die Deponie könnte mit dem Auftreten bestimmter Krebserkrankungen in der Region zusammenhängen, auch wenn es dafür keine Belege gibt.

Umso wichtiger ist es laut Geohydrologe Martin Asbrand „jetzt eine konkrete Grundlage für die geplante Schließung“ zu schaffen.

Etwa „30 000 bis 40 000“ Lkw-Ladungen mit teils hochgiftigen Substanzen müssten von einem an den anderen Ort – und der wäre noch zu suchen – verbracht werden.Dennoch, so erklärten sowohl Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch als auch LAF-Chef Jürgen Stadelmann, sei noch keine Entscheidung zugunsten einer der Varianten gefallen. Und Stadelmann fügte an: „Als LAF habe ich das größte Interesse an Nachhaltigkeit“, zumal die Zuständigkeit für den Deponiekörper nach Schließung ja ans Land übergehe und ein weiterführendes Monitoring unablässig sei. Aber was die notwendigen Maßnahmen beträfe, „ist die Angemessenheit nachzuweisen, weil ich als LAF Steuergeld für die Schließung ausgebe“, betonte Stadelmann.

Da bis zum endgültigen, vom LAF zu genehmigenden Betriebsplan für die Schließung noch einige Jahre ins Land gehen werden, versprach Wirtschaftsstaatssekretär „künftig mindestens einmal jährlich“ derartige Infoveranstaltungen vor Ort abzuhalten.

23. September 2016 Brüchau ist ein schwieriger Fall

23. September 2016 Staatssekretär Thomas Wünsch und LAGB-Präsident Kurt Schnieber: „Silbersee“-Informationen ungenügend: „Man hätte kritischer nachfragen sollen“

Wieso man den genauen Inhalt der Bohrschlammdeponie nicht kenne, erklärt Thomas Wünsch, Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, bei einem Pressegespräch vorab des gestrigen Informationsabends in Kakerbeck damit, dass von den Betreiberfirmen vor der Wende keine Unterlagen geführt wurden, die konkret und ausführlich darüber Auskunft gaben, welche Stoffe eingelagert wurden. In erster Linie müsse dies nun geprüft werden. Denn aus Sicht der Behörden genügen die jetzigen Ergebnisse und Informationen nicht, um entscheiden zu können, ob eine Abdeckung oder eine Auskofferung die sicherere Schließungsvariante darstellt. „Es gibt keine Vorentscheidung“, betont Wünsch dabei. Von Seiten des LAF würden für die Schließung der Brüchauer Bohrschlammdeponie ohnehin Gelder bereit stehen. Brüchau sei finanziell gesehen sogar ein kleinerer Fall. „Für uns ist Brüchau derzeit aber der schwierigste Fall“, äußert sich Frank Ranneberg vom Wirtschaftsministerium.

Die Untersuchungen (ein umfassenderes Monitoring sowie der Bau neuer Brunnen zur Untersuchung des Grundwassers) könne nach jetzigem Informationsstand ein bis eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Ein Grundwasserschaden bestehe am unteren Bereich der Deponie. Allerdings könne nicht genau gesagt werden, ob dieser von der Deponie herrühre. Es sei lediglich der Salzgehalt erhöht, was einen natürlichen Ursprung haben könnte. Zwar sei der untere Grundwasserleiter betroffen, aber bisher gebe es keine Belege dafür, dass „Umwelt und Mensch von Schadstoffen belastet werden“, sagt Wünsch. Dass auch Messwerte des radioaktiven Radiums erhöht sind, sei laut Schnieber auch nicht sicher auf die Deponie zurückzuführen.

Bericht und Kernaussage: Eigentlich, das betonte Herbert Halbe, Leiter der Unteren Wasserbehörde im Altmarkkreis Salzwedel, am Donnerstagabend im mehr als vollen Dorfgemeinschaftshaus von Kakerbeck, hätte es schon nach der Jahrtausendwende keine Betriebserlaubnis mehr für die Bohrschlammdeponie Brüchau, auch Silbersee genannt, geben dürfen. Der Grund: die damals von der Betreiberfirma GDF Suez (heute Engie) beantragte wasserrechtliche Erlaubnis wurde von den zuständigen Behörden abgelehnt. Dass dennoch weiter in die alte Tongrube eingelagert werden konnte, hat die Betreiberfirma dem zuständigen Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAG) zu verdanken, das die Rechtslage damals anders auslegte, wie sein Präsident Kurt Schnieber am Donnerstagabend im Zuge einer Bürgerversammlung in Kakerbeck deutlich machte.

22. September 2016 Öffentliche Info-Veranstaltung des Wirtschaftsministeriums zur Sanierung der Bohrschlammdeponie Brüchau
- 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Kakerbeck an der B71 südl. Salzwedel
- Veranstalter: *Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt
- Leitung: Staatssekretär Thomas Wünsch
- Vorträge von:
a) Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB)
b) Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt (LAF)
c) ENGIE Deutschland AG (vormals GDF SUEZ, Betreiber Bohrschlammdeponie
Brüchau)
Im Anschluss an die Vorträge des LAGB, der LAF und ENGIE werden die BI „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ wie alle interessierten Bürger*innen die Gelegenheit haben, ihre Fragen und Positionen vorzutragen.

17. September 2016 Uwe Harms: „Brüchau komplett beräumen“ – Nur wenn der Eigentümer bei (Fremd-) Einlagerungen das Umweltrecht einhält, kann er von den Kosten freigestellt werden.

17. September 2016 Landtag v. Sachsen-Anhalt, Drs. 6/4392

24. August 2016 MDR Erdgasförderung in der Altmark: Gefahr für Anwohner und Arbeiter? (Video)

21.April 2016 MDR-Info Giftmülldeponie Brüchau: Grüne fordern Aufklärung

21.April 2016 Infoabend zur Brüchauer Deponie: BI wirft Augenwischerei vor / Betreiber wusste seit 2000 von kontaminiertem Wasser
„Silbersee“ vorsätzlich illegal betrieben?

Es gibt ein Gutachten aus dem Jahr 2000, aus dem eindeutig hervorgeht, dass das Grundwasser durch bergbauliche Stoffe kontaminiert ist, meldete sich auch Dr. Uwe Baumbach, ehemaliger Gutachter der GdF Suez, zu Wort. Laut ihm würden außerdem 960 Tonnen Quecksilber im „Silbersee“ lagern und nicht, wie bisher von der Öffentlichkeit angenommen, 250 Tonnen. Die „schützende“ Mergelschicht umschrieb er als „löchrigen Käse“: „Das haben die verantwortlichen Leute alle gewusst und das mindestens seit dem Jahr 2000“, so Baumbach, der den Verantwortlichen, die die Deponie trotzdem bis 2012 weiter geführt hatten oder hatten lassen, „Vorsatz“ vorwarf. Die Bürger teilen die Meinung offenbar – so ertönte aus der Menge der Zuschauer der Vorwurf: „Das ist doch Körperverletzung.“ Auch Bernd Ebeling schätzte ein, dass die Giftmüllgrube spätestens seit dem Inkrafttreten der Grundwasserverordnung (1997) illegal war.

„Könnte man nicht eine Liste der zu untersuchenden Stoffe anfertigen?“, fragte Martina Huhn, die ihren Hof in Brüchau verkaufen möchte und das Wasser ihres Brunnens gerne untersuchen lassen würde. Bernd Ebeling riet ihr im ersten Schritt zur Untersuchung des Strontium-, Lithium-, Bor-, sowie Chloridgehaltes.

Dass man eine kostenunabhängige sowie dauerhafte und zuverlässige Lösung anstrebe, betonten Karsten Ruth und Michael Ziche bei der Veranstaltung gleichermaßen: Die jetzige Form, in der die Deponie existiere „ist inakzeptabel“, so Ziche. Einen Abschlussbericht gebe es letztlich nicht, da dieser eben wegen all der Unsicherheiten zurückgewiesen wurde. Herbert Halbe betonte, dass man seitens des Umweltamtes auch viele Jahre dafür gekämpft habe, überhaupt eine Schließung herbeizuführen und eine ordentliche Sanierung der nächste Schritt sei. „Wir sind seit 2012 da dran. Wir machen Druck, ohne Ende Druck“, erklärte Michael Ziche.

Dafür müsse man nun auch gemeinsam stehen und kämpfen, richtete sich der Landrat an die Bürger.

20.April 2016 ARD/WDR Sendung von Jürgen Döschner zum „Silbersee“ in der Altmark

„Interne Schriftstücke aus dem Unternehmen, die der WDR einsehen
konnte, belegen, dass GdF Suez spätestens seit Mitte 2000 von der
Grundwasserverseuchung wusste. Eine daraufhin von dem Unternehmen
beantragte „wasserrechtliche Genehmigung“, die den Weiterbetrieb der
Deponie trotz der Grundwasserbelastung hätte legalisieren können, wurde
nach WDR-Recherchen von der zuständigen Bergbehörde im November 2002
ausdrücklich versagt.

Anschließend wurde die Bohrschlammgrube – mit Duldung des zuständigen
Landesbergamtes – noch zehn Jahre lang zur Entsorgung gefährlicher,
teils radioaktiver Abfälle aus der Öl- und Gasindustrie genutzt.“

20. April 2016 Der radioaktive Silbersee – der wohl giftigste See Deutschlands

Nach der Wende hatte der See allerdings noch nicht ausgedient: Der französische Energiekonzern GDF Suez (heute ENGIE) förderte Gas in Sachsen-Anhalt und nutzte Brüchau für seine Abfälle. Weitere 190.000 Kubikmeter an Bohrabfällen landeten im Silbersee. Alles in allem ein hochgiftiger Cocktail mit vielen toxischen Zutaten, wie aus einer Anlage einer Kleinen Anfrage der Grünen in Sachsen-Anhalt hervorgeht.
Die Behörden müssen gewusst haben, dass der Gift-Cocktail in dem See nicht sicher ist und langsam ins Grundwasser tröpfelt. Die Lehmschicht des Silbersees ist undicht.
Die postsozialistische Verklappung
Nach Ansicht des Aachener Umweltjuristen Hans-Jürgen Müggenborg war der Betrieb der Deponie spätestens ab Mitte des Jahres 2000 illegal. Denn ab diesem Zeitpunkt soll GDF Suez gewusst haben, dass rund um die Deponie radioaktives Radium ins Grundwasser gelangte, wie es laut einer Recherche des WDR interne Dokumente des französischen Energiekonzerns belegen sollen.
Brüchau ist eine der größten Bohrschlammgruben auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und befindet sich in der Altmark, einem der wichtigsten Erdgasfördergebiete Deutschlands. Hier befinden sich 120 Gasbohrlöcher.
Was sich so alarmierend anhört und die Menschen in Brüchau extrem beunruhigt, sieht das Landesamt für Geologie und Bergwesen in Halle recht gelassen. Dort geht man nicht davon aus, dass der Gift-Cocktail eine Gefährdung für Umwelt und Gesundheit sei, schließlich gebe es keine aktiven Trinkbrunnen in der Nähe des Silbersees, sagte der Präsident des Landesamtes gegenüber dem MDR.
Nach dem Ende der DDR gab es ein ausführliches Gutachten einer Laborfirma, die das völlig verseuchte Gelände um den Silbersee in den 90er Jahren untersuchte. Das Ergebnis: 70 Tonnen Pestizide, 250 Tonnen metallisches Quecksilber, fast 9.000 Tonnen Säuren und jede Menge radioaktive Isotope lasteten auf der Deponie.
„Schon in den Gutachten aus den Jahren 1991 bis 1993 ist klar gewesen, dass es eine hohe Belastung des Grundwassers gab. Spätestens aber im Jahr 1997 mit der Einführung der Grundwasserverordnung hätte die Mülldeponie stillgelegt werden müssen“, sagt Ebeling gegenüber Motherboard. Die Verordnung legt unter anderem fest, dass kein Quecksilber ins Grundwasser gelangen darf. Das ist jedoch laut Ebeling passiert.
„Auch schon zu DDR-Zeiten ist ja bekannt gewesen, dass Schadstoffe in Brüchau austreten. Bei der Einsicht der Dokumente bin ich auf das Ergebnis einer Probe aus dem Jahr 1967 gestoßen. In einem Brunnen nur 200 Meter entfernt von der Deponie ist eine Probe gezogen worden, in der Phenol und Quecksilber nachgewiesen wurden“, erklärt Ebeling. Phenol kann zu Atemlähmung bis zum Herzstillstand führen, auch Quecksilbervergiftungen sind in hohem Maße gesundheitsgefährdend und können zu Schädigungen des Nervensystems führen.
Aus der Anfrage der Grünen geht jedoch hervor, das 90 % der Kosten von der Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt getragen werden. Den Rest zahlt der ehemalige Betreiber der Deponie, die GDF Suez E & P Deutschland GmbH. https://kleineanfragen.de/sachsen-anhalt/6/4392-schliessung-der-bohrschlammdeponie-bruechau-altmark
Für die Aufsicht der Bohrschlammgrube in Brüchau ist das Landesbergamt Sachsen-Anhalt zuständig. Dort bestreitet man nicht, dass aus der Deponie Schadstoffe ins Grundwasser gelangen, der Weiterbetrieb sei mit Besonderheiten des Bergrechts zu rechtfertigen. Ähnlich argumentiert die Betreiberfirma. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte die heutige „ENGIE E&P Deutschland“ gegenüber dem WDR, dass es aus Sicht des Unternehmens (…) zu jeder Zeit einen zugelassenen Betriebsplan für die Deponie Brüchau gegeben habe.

20.04.2016 WDR-Recherchen: Radioaktive Öl- und Gasabfälle im Grundwasser – GdF Suez soll über Jahre illegal eine undichte Bohrschlamm-Deponie in Sachsen-Anhalt betrieben haben
Der französische Energiekonzern GdF Suez (heute „ENGIE“) hat in Brüchau (Sachsen-Anhalt) über Jahre hinweg eine Bohrschlammgrube für gefährliche Öl- und Gasabfälle betrieben, obwohl diese undicht war. Nach Recherchen des WDR wusste der Konzern seit Mitte 2000, dass Schadstoffe aus der Deponie – darunter radioaktives Radium – ins Grundwasser gelangten. Nach Ansicht des Aachener Umweltjuristen Hans-Jürgen Müggenborg war der Betrieb der Bohrschlammgrube spätestens ab diesem Zeitpunkt illegal.
Dem WDR liegt unter anderem ein Gutachten aus dem Jahr 2000 vor, in dem stark erhöhte Werte des radioaktiven Radium226 im Grundwasser rund um die Bohrschlamm-Deponie nachgewiesen wurden.
Interne Schriftstücke aus dem Unternehmen, die der WDR einsehen konnte, belegen, dass GdF-Suez spätestens seit Mitte 2000 von der Grundwasserverseuchung wusste. Eine daraufhin von dem Unternehmen beantragte „wasserrechtliche Genehmigung“, die den Weiterbetrieb der Deponie trotz der Grundwasserbelastung hätte legalisieren können, wurde nach WDR-Recherchen von der zuständigen Bergbehörde im November 2002 ausdrücklich verwehrt.
Anschließend wurde die Bohrschlammgrube – mit Duldung des zuständigen Landesbergamtes – noch zehn Jahre lang zur Entsorgung gefährlicher, teils radioaktiver Abfälle aus der Öl- und Gasindustrie genutzt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden in Brüchau auch radioaktive Öl- und Gasabfälle aus anderen Bundesländern entsorgt, insbesondere aus Niedersachsen. Dem WDR liegt eine Liste des Landesbergamtes Niedersachsen vor, in der unter den „Entsorgungsstätten für natürlich vorkommende radioaktive Stoffe der Erdöl-/Erdgasindustrie“ auch die Firma „Gaz de France Produktion Exploration Deutschland GmbH“ mit Sitz in Salzwedel auftaucht – jene Firma, die auch die Bohrschlammgrube in Brüchau betreibt.
Nach Ansicht des Aachener Umweltjuristen Prof. Hans-Jürgen Müggenborg war der Betrieb der Deponie spätestens seit feststand, dass sie undicht ist, illegal. „Die nachteilige Veränderung des Grundwassers ist untersagt, nicht nur dort, wo Grundwasser zur Trinkwasserversorgung genutzt wird“, sagte Müggenborg gegenüber dem WDR. Deshalb hätte man reagieren und den weiteren Betrieb der Deponiestoppen müssen. Illegal war der Betrieb der Deponie nach Auffassung des Juristen aber auch deshalb, weil dort zumindest zu DDR-Zeiten nachweislich unterschiedliche Sonderabfälle diverser Industriebetriebe wie zum Beispiel cyanidhaltige Galvanikschlämme abgelagert worden sind, die Deponie aber nur für bergbauliche Abfälle zugelassen war.
Das für die Aufsicht zuständige Landesbergamt Sachsen-Anhalt bestreitet nicht, dass aus der Bohrschlammgrube Brüchau Schadstoffe ins Grundwasser gelangen, rechtfertigt aber den Weiterbetrieb mit Besonderheiten des Bergrechts.
Ähnlich argumentiert die Betreiberfirma. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt die heutige „ENGIE E&P Deutschland“ gegenüber dem WDR, es habe „aus Sicht des Unternehmens“ (…) zu jeder Zeit ein zugelassener Betriebsplan für die Deponie Brüchau“ bestanden.
Aber das Bergrecht decke keine Verunreinigung des Grundwassers, sagt Umweltjurist Müggenborg: „Es gibt keine einzige Vorschrift, die besagt, dass im Bereich des Bergbaus das Wasserrecht nicht gilt.“ Wegen des Weiterbetriebs der Bohrschlammgrube müssen die Verantwortlichen des Unternehmens und der Aufsichtsbehörde nach Einschätzung von Prof. Müggenborg auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. „Das konzertierte Nichtstun über einen sehr langen Zeitraum von mehr als zehn Jahren halte ich auch strafrechtlich für ausgesprochen kritisch“, so Prof. Müggenborg im WDR.
Einer der Verantwortlichen dürfte der frühere CDU-LandtagsabgeordneteJürgen Stadelmann sein. Er war von 1998 bis 2006 Leiter der für die Untersuchung der Deponie Brüchau zuständigen „Abteilung Umweltanalytik“ bei GdF Suez. 2009 wurde er zum Staatssekretär im Umweltministerium von Sachsen-Anhalt berufen. Nachdem er in einen Umweltskandal verwickelt war, trat er 2011 von diesem Posten zurück. Heute leitet Stadelmann die „Landesanstalt für Altlastenfreistellung“ in Magdeburg – eine Behörde, die unter anderem für die inzwischen stillgelegte Deponie Brüchau zuständig ist.
WDR Presse und Information, Telefon 0221 220 7100, E-Mail: wdrpressedesk@wdr.de

19. April 2016 tagesschauAudio: Giftschlammgrube von Brüchau undicht

15. April 2016 Chemiker fordert unabhängige Beprobung: langjähriger GdF-Mitarbeiter spricht über Bohrschlämme und Quecksilberabfälle, sowie die Radiumsulfat-Aufkonzentration in der Bohrspülung

06. April 2016 MDR exakt „Silbersee“ Brüchau: Schadstoffe im Grundwasser: Interview mit Bernd Ebeling von der Bürgerinitiative Uelzen. Er spricht über Probleme rund um die Giftschlammdeponie Brüchau: „Hier werden seit Jahrzehnten Giftstoffe ins Grundwasser eingeleitet und das vorliegende Schließungskonzept stoppt diese Einleitung nicht“

Beim Bohren im Erdreich, beim Transport durch die Rohre: Immer gibt es giftige, radioaktive Ablagerungen. Es war dieser Schlamm, der in Brüchau entsorgt wurde. Manchmal flogen die verdreckten Rohre und Bohrköpfe gleich hinterher. Es gab auch Menschen im Ort, die sich aus zerschnittenen Rohren Gartenzäune bauten. Rohstoffe waren knapp.

09.03.16 Emotionsgeladener Diskussionsabend zur Bohrschlammdeponie bei Brüchau

Dr. Uwe Baumbach am Montagabend in den Kalbenser „Ratsstuben“. Er hat viele Jahre als Gutachter für die GdF Suez E&P Deutschland (inzwischen Engie), die Betreiberfirma der – juristisch korrekt ausgedrückt – „Abfallentsorgungseinrichtung“ Brüchau gearbeitet.
Eine 70 Zentimeter breite Geschiebemergelschicht, fungiert als Barriere nach unten
„Die im Endbericht zur ‘Erarbeitung einer Vorzugsvariante zur Schließung der Deponie und Beendigung der Bergaufsicht’ (GICON 5. Februar 2015) angegebene Tabelle berücksichtigt lediglich Schadstoffinventar, das bis 1991 eingelagert wurde. (…)“
Gutachten von 1993 des Labors für Geoanalytik heißt es außerdem: „Getrennt von den bis jetzt betrachteten Befunden der Grundwasseranalytik, sind die Ergebnisse aus den beiden Grundwassermessstellen Büa T2, 42m und Büa T5, 44 m zu sehen. Aus den Analyseergebnissen dieser beiden Brunnen ist eine klare Beeinflussung durch aus der Grube austretende Stoffe zu erkennen.“
Auffallen würden auch einige Messwerte an Kontrollbrunnen, die je nach Lage im Zu- oder Abstrom unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Zu klären sei, so Ebeling, ob die Brüchauer Anlage bereits unter die Strahlenschutzverordnung falle. Als Beispiel führte er das radioaktive Element Radium an: So würde der Gehalt des 226er Radiums an der Grundwassermessstelle T1 (deponienaher Grundwasserabstrom) steigen und habe 2014 seinen höchsten Wert erreicht.
Kurt Schnieber, Präsident des Landesamtes für Geologie und Bergwesen (das LAGB prüft den Abschlussbetriebsplan der vom Betreiber des Silbersees im Zuge der Schließung erstellt wird, und erteilt gegebenenfalls die Genehmigung), bescheinigte zwar, dass insgesamt erarbeitet worden sei, wo Informationsdefizite bestehen, die ausgeräumt werden müssen und dass man sich im Ziel, nämlich die Gefahren für die Gesundheit auszuschließen, einig sei – „Sie haben hier vor der Haustür in Brüchau eine echte Altlast, die Schadstoffe, die darin lagern, sind erheblich…“ – wies aber darauf hin, dass Stoffe nicht nur eingelagert, sondern auch ausgelagert und verpresst worden seien.
so merkte Dorothea Frederking an, gehe es darum, dass im Grundwasser Schadstoffmengen festgestellt worden seien, „und zwar im Abstrom mehr als im Zustrom. Das ist der eigentliche Fakt: Die Deponie ist nicht dicht.“ Weshalb, so Frederking, noch weitere Untersuchungen eingeholt werden müssten, was die Abdichtung wie auch Schadstoffmengen angehe. Dem gab Schnieber auch Recht, betonte aber, dass, was die Abdichtung nach unten angehe, bergbauliches Recht greife, das anders sei als bei Deponien: „Eine 100-prozentige Dichtigkeit schreibt der Gesetzgeber nicht vor.“
Schließlich sei deutlich geworden, dass der Silbersee nicht nur ein „Brüchau-Problem“ sei.
In diesem Zuge ist die LAGB dazu aufgefordert, „eine ordentliche und belastbare Datensammlung zu erstellen, die Grundlage für ein Schließungskonzept ist.“

Den Stein des Anstoßes damit die Öffentlichkeit informiert wurde, war die zweite Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten der Grünen, Dorothea Frederking, an die Landesregierung, mit der sie endgültig klären wollte, wie es um die Bodenbeschaffenheit der Grube steht und was da eigentlich genau für Giftstoffe gelagert werden.

Um was für Abfälle handelt es sich und wie gefährlich sind sie?

Es sind wirklich gefährlichste Stoffe: Salzsäure zum Beispiel, dazu
Arsen-, Kadmium- und Zyanidverbindungen. Und sehr viel Quecksilber. Man
könnte etwas lax sagen: Alles, was den Organismus eigentlich tötet,
findet sich im Silbersee. Auch die Mengen sind enorm. Bestätigt sind 250
Tonnen, ein ehemaliger Mitarbeiter spricht sogar von 960 Tonnen. Das ist
aber nicht offiziell.

Gibt es Hinweise darauf, dass es bei der Bevölkerung, die dort in der Nähe wohnt, höhere Krankheitsraten gibt?

Da muss man sehr vorsichtig sein. Natürlich denken jetzt vielleicht
einige, dass ihr Leiden mit der Deponie zusammenhängt. Aber wir kennen
das ja selber: Wenn wir im Internet nach Symptomen für unsere
Krankheiten suchen, denken wir sofort, wir haben die Beulenpest. Also:
Auszuschließen ist nichts, aber das müssen andere Instanzen, etwa Ärzte,
klären.

Wie reagieren die Anwohner bzw. was unternehmen sie, damit der Konzern die Abfälle fachgerecht entsorgt?

Am Dienstagabend haben sich die Anwohner, auch die aus den benachbarten
Orten, in Kakerbeck getroffen. Landrat Michael Ziche war ebenfalls vor
Ort und hat informiert. Die Stimmung ist bisher – da muss man auch
wirklich Respekt für die Betroffenen haben – ruhig und vernünftig. Klar,
manchmal wurde es auch gestern emotional und es wollen jetzt natürlich
alle, dass die Deponie beseitigt wird. Wenn man aber bedenkt, dass der
Silbersee seinen Namen von dem in der Sonne verdunstenden und dadurch
glitzernden Quecksilber hat, dann ist es bei aller Besonnenheit der
Leute wiederum auch absolut nachvollziehbar, dass sie die Faxen jetzt
wirklich dicke haben.

Der Landkreis hatte zunächst widersprochen, dass aus der Grube giftige Abfälle austreten. Was sagen die Verantwortlichen von GdF Suez?

Der Landkreis hat nie widersprochen. Das war stets Gaz de France Suez.
Und dass ein Konzern natürlich versucht, seine Verantwortung
kleinzureden – das ist wohl leider auch verständlich. Verantwortung
kostet schließlich Geld.

Welche Kosten stehen denn im Raum und wer soll das bezahlen?

Gaz de France Suez bietet eine Lösung an, die drei Millionen Euro kosten
soll. Dabei wird eine Art Spezialdecke auf die Deponie, den See
aufgebracht. Das reicht aber den Anwohnern nicht. Sie wollen, dass die
Deponie komplett entfernt wird. Auch Landrat Ziche will jetzt keine
halben Sachen machen. Eine vollständige Renaturierung bedingt allerdings
auch einen ordentlichen Griff ins Portemonnaie: Zwanzig Millionen Euro
wird das wohl kosten.

1. Oktober 2015 250 Tonnen Quecksilber im Silbersee

13. August 2015 Bohrschlammdeponie – Gesundheitsrisiko befürchtet

18. Juli 2015 Endgültiges Ende für Bohrschlammdeponie

Geologie


Quelle: ODT Brüchau – Erkundungskonzept 2016, Institut Asbrand)

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