Demo gegen oberirdisches Endlager Brüchau

Seit 1972 wurden konzentrierte Bohrschlämme, radioaktive Bohrgestänge und kontaminierte Abscheider aus der Erdgasförderung in ein Wasserloch bei Brüchau versenkt, doch auch nach der Wende hielt Gaz de France (Suez), heute Engie an der Praxis fest: 1993 war des Jahr mit dem höchsten Quecksilbereintrag.

Grafiken: MDR


Bernd Ebeling

Am 16. Februar 2017 demonstriert Bürgerinitiative gegen Giftdeponie:
Die Bohrschlammdeponie in Brüchau im Altmarkkreis Salzwedel ist undicht. Messungen im Grundwasser hatten ergeben, dass Schadstoffe aus der Deponie austreten. Anwohner fordern seit Jahren, die Deponie zu sanieren. Video

Etwa 50 Bürger*innen demonstrierten heute lautstark am Landtag um und informierten anschließend die Abgeordneten über ihre Versäumnisse bei der Aufklärung der Öffentlichkeit. Weil der Interessenverbund Engie-Land die seit Monaten durch die BI Saubere Altmark geforderte Offenlegung der Prüfergebnisse verweigerte, organisierte sich diese selbst und stellte eigene Nachforschungen an. Die Ergebnisse stellte heute der Wasserwissenschaftler Bernd Eberling im öffentlichen Teil des Wirtschaftsausschusses vor. Nachdem die Teilnahme der BI angekündigt worden war, hatte die Geschäftsführung von Engie die Teilnahme abgesagt und sich für die nächste Sitzung eingeladen.

Quecksilberhaltige Bohrschlämme und radioaktive Bohrgestänge im See verklappen? Offenbar hat Engie (früher Gaz de France) jahrelang Sondermüll im (heutigen Queck-) Silbersee bei Brüchau verklappt. Doch nicht nur dort verursacht die Gasförderung Umweltschäden. Auch nahe Riebau wurde eine Pipeline-Leckage beobachtet„In Deutschland gibt es geschätzt rund 1400 Bohrschlammgruben, in denen gefährliche und teils radioaktiv belastete Abfälle der Öl- und Gasindustrie lagern.“ (tagesschau).
Liste alltäglicher Störfälle und Erdbeben durch Erdgasförderung

Volksstimme Demo vorm Landtag: In Brüchau strahlt nicht nur die Sonne

Altmark Zeitung Brüchau: Radioaktive Abfälle im Fokus: BI zeigt Dokumente im Magdeburger Wirtschaftsausschuss, die Entsorgung belegen sollen

16.02.2017 bild Anlage undicht, radioaktive Stoffe im GrundwasserAnwohner-Aufstand gegen Gift-Deponie
Mit Gasmasken stehen wütende Anwohner vorm Landtag in Magdeburg. Sie trommeln, halten Transparente hoch
 
Magdeburg – Mit Gasmasken stehen wütende Altmärker vorm Landtag. Sie trommeln auf Giftfässern, halten Transparente hoch. Anwohner-Aufstand gegen eine Gift-Deponie! Die Bürger wehren sich gegen einen hochgiftigen Bohrschlamm-See gleich neben ihrem Wohnort Brüchau! Die Bürgerinitiative machte gestern mobil. Mehr als 50 Anwohner waren aus der Altmark angereist

„In diese Grube wurden neben Quecksilber und Arsen auch tausende Tonnen radioaktive Schlämme abgekippt“, sagt Lothar Lehmann (42), Sprecher der Bürgerinitiative „Saubere Umwelt Altmark“. „Das ist dem Land seit Jahren bekannt, doch es passiert nichts! Wir fühlen uns total verarscht!“

Im Wirtschaftsausschuss des Landtages kamen die Bürger gestern zu Wort! „Von 1972 bis 2012 wurden in der Ex-Tongrube alle nur erdenklichen Gifte gebracht“, so Lehmann. „Studien haben ergeben, dass Teile davon ins Grundwasser sickern. Wir haben alle große Angst um unsere Kinder.“
„In diese Grube wurden neben Quecksilber und Arsen auch tausende Tonnen radioaktive Schlämme abgekippt“, sagt Lothar Lehmann (42), Sprecher der Bürgerinitiative „Saubere Umwelt Altmark“. Im Wirtschaftsausschuss des Landtages kamen die Bürger gestern zu Wort! „Von 1972 bis 2012 wurden in der Ex-Tongrube alle nur erdenklichen Gifte gebracht“, so Lehmann. „Studien haben ergeben, dass Teile davon ins Grundwasser sickern. Wir haben alle große Angst um unsere Kinder.“
 
Auf dem Areal wurden über 40 Jahre lang giftige Abwässer aus dem Bergbau und der Chemieindustrie gelagert    Foto: Siegbert Heiland
Bitteres Fazit des Diplom-Ingenieurs Bernd Ebeling: „In Brüchau ist Deutschlands erstes oberirdischen Endlager für radioaktive Abfälle.“ Denn Messungen ergaben, dass das radioaktive Radium 226 im von der Deponie abfließendem Grundwasser 125 Mal häufiger als im Wasser direkt vor der Deponie vorkommt.

Betreiber der Bohrschlamm-Deponie ist der französische Energiekonzern ENGIE. Auch er war vom Landtag eingeladen worden, sagte aber kurzfristig ab. Begründung: Es gebe keinen neuen Stand. Betreiber der Bohrschlamm-Deponie ist der französische Energiekonzern ENGIE (vielen als GdF Suez und Gaz de France bekannt)

PM von MdL Dorothea Frederking (Grüne)

*Gefährliche Chemikalien und Radioaktivität*
*Lösung für Giftschlammgrube Brüchau muss her*
*Bei der heutigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses stand die
Giftschlammgrube Brüchau (Ortsteil der Ortschaft Kakerbeck in der
Einheitsgemeinde Kalbe/Milde), offiziell bezeichnet als bergbauliche
Abfallentsorgungseinrichtung, erneut auf der Tagesordnung. Kurzfristig
war drei Vertretern der Bürgerinitiative „Saubere Umwelt und Energie
Altmark“ die Möglichkeit eingeräumt worden, im Ausschuss reden zu können.*

*Dorothea Frederking, altmärkische Abgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sieht dringenden Handlungsbedarf, um unverzüglich die endgültige
Sicherung der Grube zu lösen. Alle Gefährdungen für Mensch und Umwelt
müssten ausgeschlossen werden. Sie äußert sich:***

„Dipl.-Ing. Bernd Ebeling, Fachberater der BI rückte das radioaktive
Inventar in den Mittelpunkt seines Vortrages. Diese Information inklusiv
der Angabe zu den Quellen seiner Aussagen war neu. Es seien sowohl
radioaktiver Schrott aus der Erdgasförderung als auch radioaktive
Schlämme aus der Reinigung von Erdgas und den Erdgasanlagen einfach in
die Grube verkippt worden. Die Problematik der Radioaktivität hat nach
meiner Wahrnehmung sowohl bei den Ausschussmitgliedern als auch bei den
anwesenden Behörden zu einer höheren Sensibilität geführt. Ich hoffe,
dass allen nun bewusst ist, dass unverzüglich gehandelt werden muss.“

„Auch wenn heute kein Fachgespräch angesetzt war, war es gut, dass die
BI vor dem Landtag demonstriert und im Ausschuss geredet hat. Herr
Jürgen Bammel, Bürger aus Brüchau, brachte in seinem Beitrag
Resignation, Frust und Wut zum Ausdruck, weil die Menschen vor Ort nun
schon über viele Jahre mit dem Problem allein gelassen werden. Als
Abgeordnete sind wir in die Pflicht, hier zu helfen.“

„Aufgrund der bisherigen Kenntnisse zu toxischen Chemikalien, zu
gefährlichen Schwermetallen, zur Radioaktivität und dem
Grundwasserschaden scheint zur Zeit nur der Rückbau für die endgültige
Sicherung in Frage zu kommen. Es ist gut, dass das Landesamt für
Altlastenfreistellung (LAF) nun die Klärung des Schadstoffinventars
angeschoben hat. Das ist eine notwendige Voraussetzung, um im Fall des
Herausholens der Abfälle den richtigen Entsorgungsweg festlegen zu können.“

*Weitere Informationen:*
Positiv war auch, dass zu Ausschussbeginn für das Anliegen der BI
gestimmt wurde und die Öffentlichkeit zugelassen wurde, sodass spontan
einige angereiste Bürgerinnen und Bürger aus der Altmark teilnehmen
konnten. Eine solche Abstimmung zur Öffentlichkeit erfolgt nämlich
normalerweise in einer Ausschusssitzung zuvor. Die Betreiberin der
Anlage, die ENGIE E&P Deutschland GmbH hatte ihrerseits die Teilnahme am
Ausschuss vor wenigen Tagen abgesagt, was von vielen als Affront
gewertet wurde.
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Anlage und in dieser Mail finden Sie die aktuelle Pressemitteilung
der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Wir würden uns
freuen, wenn Sie unser Thema in Ihrem Medium aufgreifen. Natürlich
stehen wir Ihnen darüber hinaus für weitere Informationen und exklusive
O-Töne jederzeit zur Verfügung.

Viele Grüße,
Dorothea Frederking, MdL

CDU-Pressemitteilung

Kommentar von Christfried Lenz: Die CDU empfiehlt der Bevölkerung, ihr demokratisches Recht der freien Meinungsäußerung nicht wahrzunehmen. Haltet ihr die Füße ruhig, die Regierung macht schon alles richtig für euch! Täuschungsmanöver werden in „geordnetes Verfahren“, Verschleppung wird in „Gründlichkeit“ umgetauft. Ein von Unwahrheiten triefender und verdeckt laufender Prozess heißt nun „transparent und geordnet“

Magdeburg, 16. Februar

*33/2017*

*Bohrschlammdeponie Brüchau läuft in einem geordneten Verfahren*

Die CDU-Fraktion begrüßt das geordnete Verfahren im Zuge der Sanierung
der Bohrschlammdeponie Brüchau, welches in der heutigen Sitzung des
Landtagsausschusses Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
thematisiert wurde.

Die Landesregierung prüfe in einem transparenten und geordneten Prozess
alle Möglichkeiten einer effektiven Entsorgung und Schadensabwendung.
Wie der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag von
Sachsen-Anhalt, *Ulrich Thomas,* mitteilt, gelte nach wie vor der
Grundsatz Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Er warnt davor, vor dem Ende
noch notwendiger Untersuchungen öffentlichen Druck auf die beteiligten
Akteure auszuüben.

*Antonia Fritsche*
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt

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