Antwort des Landesbergamt zur Leckage an der Rohgasleitung bei Pretzier

Gastbeitrag der BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“

Pressemitteilung
14. März 2017

Anfrage der BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ vom Landesbergamt beantwortet

Landesbehörden fühlen sich mehr dem Erdgasunternehmen als den Menschen in der Region verpflichtet

beantwortet das Bergamt wie folgt:

Die Leitungen unterliegen einer entsprechenden Drucküberwachung. Im Falle der Schäden an der Nassgasleitung zwischen Klein Gartz und Pretzier wurde der erste Schaden 2016 durch die Drucküberwachung erkannt. Beim zweiten Schaden Anfang 2017 war die Druckabweichung noch zu gering, um von der Drucküberwachung erkannt zu werden. Der Spaziergänger hat offenbar den sich gerade entwickelnden Leitungsschaden zu einem frühen Entstehungszeitpunkt entdeckt.

Wäre der Leitungsschaden nicht vom Spaziergänger entdeckt worden, hätte das Drucküberwachungssystem ab einer bestimmten Druckabweichung die Leckage erkannt und gemeldet.

Wir meinen: ein ganz früher Zeitpunkt kann es denn doch nicht gewesen sein, als der Spaziergänger den Schaden entdeckte. Immerhin hatte das Gas bereits eine1,20 Meter dicke Erdschicht durchdrungen und trat in solcher Menge aus, dass der Spaziergänger vom Geruch so beunruhigt war, dass er die Feuerwehr alarmierte. Auch hält das Bergamt seine Antwort so knapp wie möglich, anstatt z.B. mitzuteilen, ab welcher Druckabweichung eine Leckage erkannt und gemeldet wird.

Auf die Frage

* Wie oft kommt es nach Ihrer Kenntnis bei der altmärkischen Erdgasförderung zu derartigen Leckagen?

antwortet das Bergamt:

Dem LAGB sind für den Zeitraum von 1994 bis 2015 insgesamt 20 Schadensereignisse bekannt, davon 18 korrosionsbedingte Schäden an Nassleitungen und 2 weitere Schadensereignisse an sogenannten Lagerstättenwasserleitungen

Aus der Antwort geht nicht hervor, ob alle Schadensfälle vom Erdgasunternehmen gemeldet wurden. Da vom Schadenereignis bei Pretzier vom 6. September 2016 der Altmarkkreis und die Öffentlichkeit auch nur durch Anwohner erfuhren, die zufällig auf ungewöhnliche Grabungsarbeiten neben der Straße aufmerksam wurden, gehen wir davon aus, dass auch in anderen Fällen das Förderunternehmen seiner Informationspflicht nicht nachgekommen ist, so dass die Zahl 20 viel zu niedrig sein dürfte. Allein an der Rohgasleitung bei Pretzier hat es zwei Leckagen in drei Monaten gegeben. Obwohl der nächste Schadensfall zu erwarten ist, lässt das für die Bergaufsicht zuständige LAGB den Konzern ENGIE weiter machen wie bisher, statt die Interessen der Menschen und der Umwelt in der Region an die erste Stelle zu setzen.

Dass das Bergamt jede Kritik am Förderunternehmen vermeidet, hat sich auch bei der Beantwortung früherer Anfragen immer wieder gezeigt. Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, dass das LAGB sich weniger als Aufsichts- und mehr als Verteidigungsbehörde des Erdgasförderers versteht.

Interessenverquickung von Behörden und Unternehmen

erschwert auch die Aufklärung im Fall der Giftschlammgrube Brüchau
(„(Queck)silbersee“): Das Institut Asbrand, das ein Konzept langwieriger
und – da die Undichtigkeit der Grube aus vorliegenden Befunden längst
hervorgeht – u.E. zum Großteil überflüssiger Untersuchungen vorgelegt
hat, wurde vom Leiter der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF),
Jürgen Stadelmann, beauftragt. Stadelmann war von 1998 bis 2006 bei der
EEG-Erdgas Erdöl GmbH Berlin/Salzwedel angestellt und leitete dort die
Abteilung Rückbau. Es macht uns Mühe nachzuvollziehen, weshalb bezüglich
des Inventars der Grube immer wieder von „Kenntnisdefiziten“ die Rede ist.

Auch der Altmarkkreis Salzwedel ist mit dem von Asbrand vorgelegten
Untersuchungskonzept alles andere als einverstanden. Er hat bereits am
30.09.2016 die Beauftragung eines Zweitinstituts gefordert, was bei
Projekten dieser Größenordnung ohnehin üblich ist.

Ein Zweitinstitut wurde nicht beauftragt und das Anliegen des
Landkreises nicht einmal beantwortet. Laut AltmarkZeitung vom 25.01.2017
ist dem Landkreis nicht bekannt, „welche Vorschläge und Hinweise
spezifisch und detailliert tatsächlich von Engie berücksichtigt und
umgesetzt wurden oder werden“.

Aus dem Wirtschaftsausschuss bisher nur Worte

Der Wirtschaftsausschuss des Landtags, in dessen Zuständigkeit die
Giftmüllgrube Brüchau fällt, hat dankenswerter Weise der BI „Saubere
Umwelt und Energie Altmark“ am 16.02.2017 in einem öffentlichen
Tagesordnungspunkt die Möglichkeit zu zwei kurzen Redebeiträgen
eingeräumt. Hierin konnte u.a. auf die bisher nicht öffentlich bekannte
Einlagerung radioaktiver Abfallstoffe aus der Erdgasförderung aufmerksam
gemacht werden.

Seitdem ist aus dem Ausschuss allerdings nichts mehr zu vernehmen. Die Grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking hat klar gemacht, dass sie aufgrund der vorliegenden Kenntnisse die Verbringung des Grubeninhaltes auf eine geeignete Deponie für die einzige verantwortbare Lösung hält. Auch der altmärkische CDU-Abgeordnete Uwe Harms erklärt in der Salzwedeler Volksstimme vom 28.02.2017: „Jetzt kommt es darauf an, eine Entscheidung zur Räumung zu treffen.“

Doch das alles sind nur Worte. *Die Taten bestehen darin, dass derzeit
begonnen wird, das von Stadelmann beauftragte Asbrand-Konzept
umzusetzen. *Für Referatsleiter Ranneberg vom Wirtschaftsministerium ist
jetzt schon klar, dass die Untersuchungen Asbrands die von ihm
(Ranneberg) konstatierte „Dichtheit“ der Grube nur bestätigen werden, so
dass für ihn die „endgültige Verwahrung“ (Schreiben Rannebergs an Dr.
Christfried Lenz vom 17.01.2017) des Grubeninhaltes an Ort und Stelle
schon fest steht.

Wir fordern die umgehende Beauftragung eines vertrauenswürdigen
Instituts, um eine zweite fachliche Meinung einzuholen!

Kontakt für Rückfragen: Saubere Umwelt & Energie Altmark
i.A. Dr. Christfried Lenz
Rittleben 8
38486 Apenburg-Winterfeld
Telefon: 039001 90754
Email: kein-co2-endlager-altmark.lenz | gmx.de


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