Rettet Salzwedels Stadtwald

Update 1. Februar 2016:Trotz Petition und monatelangen Streitereien im Stadtrat bleibt Salzwedels Bürgermeisterin Blümel hart.

Der Salzwedeler Stadtwald Bürgerholz wird an die nordrhein-westfälische Gesellschaft verkauft, die bereits die Buchhorst erworben hat. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend nicht-öffentlich entschieden. Das Gremium habe sich mehrheitlich für das wirtschaftlichste Angebot unter Betrachtung sämtlicher Umstände ausgesprochen, erklärte Öffentlichkeitsmitarbeiter Andreas Köhler am Mittwochabend nach der Sitzung. Der Kaufpreis beträgt zwei Millionen Euro.
Außerdem erhielt die Gesellschaft den Zuschlag für den Forstbetriebshof, der nochmal 100 000 Euro in die Stadtkasse spült. Flächen am Grünen Band sollen zudem an ein Unternehmen des Landes Sachsen-Anhalt veräußert werden. Der Kaufpreis hierfür beträgt 484 600 Euro, teilte Andreas Köhler mit.(volksstimme)

Update November 2016: Das Land Sachsen-Anhalt will den Stadtforst kaufen, um ihn zu erhalten:

Das Kabinett habe am Dienstag eine entsprechende Vorlage von Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) gebilligt, schreibt das Blatt. Es geht um 378 Hektar aus einem Gesamtpaket von 1400 Hektar. Die Stadt Salzwedel will ihren Stadtwald aus Finanznot verkaufen, die Landesregierung will ihn schützen. Umweltschützer befürchten, dass ein privater Käufer den Wald zu Jagdzwecken umgestalten könnte, was etwa zu viel zu großen Wildschweinbeständen führen könnte. „Das ist einer der wenigen Feuchtwälder, die wir haben“, sagte Dalbert der „Mitteldeutschen Zeitung“. Der Ankauf soll Sachsen-Anhalt helfen, ein selbstgestecktes Ziel zur Artenvielfalt zu erreichen. Zehn Prozent des Landeswaldes sollen Urwald werden, also forstlich nicht genutzt werden. „Mit der Fläche in Salzwedel würden wir dieses Ziel erreichen“, sagte die Ministerin.

Update Juli 2016: Es gibt mitlerweile mehrere Initiativen zum Erhalt des Bürgerholzes. Neben der Online-Petition, die in nicht einmal 5 Tagen über 30.000 Unterschriften bekommen hat (hier gehts lang), haben wir einen Blog zum Thema entdeckt (hier) und es gibt die Absicht, ein Bürgerbegehren zu starten. Das haben wir in der letzten Stadtratssitzung von einer Salzwedeler Bürgerin erfahren. Auch wir bleiben an dem Thema dran und werden weiter berichten.

Das Salzwedeler Bürgerholz soll privatisiert werden. Damit würde mal wieder Almende in Privateigentum umgewandelt und ein gesamtes Biotop gefährdet!

Der Knackpunkt an Privateigentum ist nämlich nicht das man etwas benutzten kann, sondern das man andere, den Rest der Gesellschaft, von einer Nutzung und Mitsprache ausschliessen kann. Privateigentum im Kapitalismus bedeutet auch Verwertungszwang, in dem Verständnis das Biotope und Lebewesen keinen Wert an sich darstellen, sondern nur als Resourcen, die profitbringend ausgebeutet werden müssen.

Moore bedecken 3% der Landfläche der Erde, binden dabei allerdings 30% des CO2.

Wird der Rest von diesem Sekundärwald, Moor und Sumpf die noch übrig geblieben sind, diesen Verwertungsinteressen zugeführt, steht seine Vernichtung bevor.
Noch um 1700 gab es in der Region zahlreiche Moore, vernässte und morastige Gebiete sowie Wald. Durch Rodung, Trockenlegung und Begradigung von Gewässern ist von diesen Biotopen nur noch ein „sehr geringer Rest erhalten“. Wälder wurden durch Kiefernmonokulturen, eine Pflanze die Trockenheit bevorzugt und Agrarflächen ersetzt. Dieser Prozess führte die Vernichtung fort und es wurden und werden noch vorhandene Biotope weiter zerstört sowie noch gebundener Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt.

Wenn sich dieser Prozess weiterhin fortsetzt, bedeutet das im Falle des Salzwedeler Bürgerholz unter anderem die Freisetztung von 30t CO2 pro Jahr und Hektar auf einer Fläche von 1400ha für ca. die nächsten 100 Jahre.
4.200.000t CO2 die noch gebunden sind und in Form von Humus und relativ ungestörten und intakten Lebensräumen ständig weiteres CO2 aus der Atmosphäre binden und wieder sicher in der Erde verwahren.

Dieses Leben ist auch Grundlage unseres Lebens. Es reguliert das Klima, filtert Wasser, erzeugt Nahrung und Medizin.

Es ist Zeit diese Vernichtung aufzuhalten, angerichteten Schäden zu reparieren, Bäume zu pflanzen, Flüsse und Bäche zu entgradigen und Flächen zurück zu versumpfen.

Gemeinden, die etwas für ihre Bürger, einschliesslich ihrer Bauern, tun wollen, haben den Wert von Biotopen erkannt und zahlen dafür, neue entstehen zu lassen.

Quellen:
www.argudiss.de
Bauernland in Not – Otto Puffahrt -> wurde auf http://gen.lib.rus.ec/ hochgeladen
https://de.wikipedia.org/wiki/Moor
Endgame I & II – Derrick Jensen